Johann Veit Döll Deutscher Medailleurpreis "Johann Veit Döll"
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Johann Veit Döll 1750 - 1835

Die Region südlich des Rennsteigs hat in den letzten 300 Jahren eine große Zahl von Medailleuren hervor gebracht, von denen viele in ihrer Generation zu den besten Vertretern der Medaillenkunst in Deutschland zählten.

Unter ihnen ragt der am 1. Februar 1750 geborene Johann Veit Döll sowohl als Künstler als auch als Persönlichkeit und in der Bedeutung für seine Heimatstadt besonders heraus.

Aus ärmlichen Verhältnissen stammend, der Großvater war Viehhirte, der Vater, den Döll bereits mit 8 Jahren verlor, städtischer Bierbrauer in Suhl, erlernte er den Beruf des Büchsenschäfters und eignete sich Kenntnisse im Gravieren und Edelsteinschneiden autodidaktisch an. Nach einem Aufenthalt bei seinem Landsmann Kolb in Wien, bei dem er 15 Monate als Graveur arbeitete und einem Kurzbesuch in Dresden bei seinem Onkel Johann Georg Klett, dem kurfürstlich-sächsischen Hof- und Kabinettsteinschneider, kehrte Döll 1772 nach Suhl zurück und begann, selbständig als Graveur zu arbeiten. Um in seinem Beruf wirklich herausragende Leistungen zu erreichen, eignete er sich neben den fachlichen Fertigkeiten als Graveur vor allem Kenntnisse in der Heraldik, der Faleristik und der Perspektive sowie der lateinischen und französischen Sprache an, beschäftigte sich mit der Götter- und Sagenwelt der Antike und studierte, so gut als es von Suhl aus möglich war, die Arbeiten seiner berühmtesten Berufsgenossen. Der Besuch einer Kunstakademie blieb ihm zeitlebens verwehrt. In allen seinen Arbeiten bemühte sich Johann Veit Döll um künstlerische Vollkommenheit. Besonders bei den in Stein geschnittenen Werken erreichte er ein von den Zeitgenossen immer wieder bewundertes Niveau.

Ab 1796 arbeitete er von Suhl aus viele Jahre fast ausschließlich für den Berliner Hofmedailleur Daniel Friedrich Loos, der die von Döll geschaffenen Medaillen unter seinem eigenen Namen und Signum in ganz Deutschland anbot und verkaufte. Das ist eine wesentliche Ursache dafür, dass das Medaillenwerk Dölls auch heute noch nicht überall und in seinem ganzen Umfang bekannt ist.

Döll, der sein gesamtes Arbeitsleben in seiner Heimatstadt Suhl verbrachte und auch die attraktivsten Angebote, in Berlin, Dresden oder Den Haag zu arbeiten, ausschlug, war aber nicht nur Graveur, Medailleur und Edelsteinschneider. Über viele Jahre bildete er in Suhl Schüler aus, die sein Erbe bis in das 20. Jahrhundert getragen haben. Er kümmerte sich um die Belange seiner Heimatstadt und die Sorgen seiner Mitbürger, die seine Bemühungen mit Bewunderung und ohne jeglichen Neid verfolgten. Über 50 Jahre war Döll Organist in Suhl und versah seinen Dienst mit größter Zuverlässigkeit.

Im Jahr 1778 wurde Johann Veit Döll kurfürstlich-sächsischer Hofgraveur, 1805 ernannte ihn die Königlich preußische Akademie in Berlin zu ihrem ordentlichen Mitglied. Eine besondere Ehrung erwartete Döll im Jahr 1824. Aus Anlass seines 50jährigen Organistenjubiläums richtete die Stadt Suhl für ihn eine große Feier aus. Dieses Jubiläum und die anderen Verdienste Johann Veit Dölls nahm man in Berlin zum Anlass, ihn mit dem selten verliehenen preußischen "Allgemeinen Ehrenzeichen Erster Klasse" auszuzeichnen.

In dem Dank Dölls für die ihm durch seine Vaterstadt erwiesene Ehrung heißt es:

" Die Liebe zu meiner Vaterstadt wird nur mit meinem Tode aufhören; unter den Augen meiner Mitbürger lege ich dieses öffentliche Geständnis ab, gestehe, dass es einen großen Teil meines Glücks machte, unter ihnen zu leben und ihr Zutrauen bis daher erhalten zu haben."

Fast auf den Tag genau 11 Jahre sollten Döll nach dieser Ehrung noch bleiben, in denen er weiter fleißig arbeitete. Noch im Jahr 1834 beteiligte er sich an der Akademieausstellung in Berlin und schrieb in einem Dank für die ihm zuteil gewordene Anerkennung dorthin:

"Zufolge des gütigen Schreibens Ew. Wohlgeboren . statte (ich) dem würdigen Senat der Akademie für diese gütige Aufmerksamkeit gegen mich meinem innigen Dank ab. Nach zurück gelegten 85 Jahren und den damit verbundenen Schwächen schwindet auch die Hoffnung, eine künftige Ausstellung wieder zu erleben und meine Dankbarkeit für dieses Geschenk muss umso herzlicher sein, je weniger ich mit meiner jetzigen unvollkommenen Leistung Anspruch darauf machen konnte."

Dieser Brief nach Berlin ist das letzte von Johann Veit Döll hinterlassene schriftliche Zeugnis. Trotz aller Ehrungen, Anerkennungen und seiner nimmermüden Arbeit: zu Reichtum oder wenigstens Wohlstand hat es Döll nie gebracht. Im hohen Alter war er sogar auf Unterstützung durch seine Vaterstadt angewiesen. Johann Veit Döll starb, von vielen seiner Mitbürger betrauert, am 15.10.1835 in Suhl.

Die Erinnerung an den berühmten Sohn ihrer Stadt haben die Bürger Suhls nie verloren, wenn diese auch im Laufe von 170 Jahren verblasst ist. Im Jahr 2000 ehrte Suhl Johann Veit Döll mit einer Festveranstaltung, der Enthüllung einer Gedenktafel, einer Ausstellung und der Herausgabe seines "Werkverzeichnisses Medaillen und Münzen."

Im Jahr 2006 wurde die Herausgabe seines Nachlasses an Briefen und weiteren Dokumenten durch den Verein Suhler Münzfreunde nach langjähriger Arbeit abgeschlossen.

Die Stadt Suhl in Wahrnehmung ihrer Verantwortung für das Erbe Dölls und aller Suhler Medailleure und die Deutsche Gesellschaft für Medaillenkunst, die sich dem zeitgenössischen Medaillenschaffen besonders verpflichtet fühlt, haben sich gemeinsam entschlossen, im Abstand von jeweils zwei Jahren einen Medailleurpreis zu vergeben. Dieser Preis, der als "Deutscher Medailleurpreis J.V. Döll ®" und als "Förderpreis des Deutschen Medailleurpreises J.V. Döll ®" ausgeschrieben ist, trägt den Namen "Johann Veit Döll." Er wurde im Monat Oktober 2006 zum ersten Mal in Suhl vergeben. Der Preis soll sowohl einen Beitrag dazu leisten, dem zeitgenössischen Medaillenschaffen mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen als auch dem Medailleurnachwuchs bessere Chancen einer Präsentation zu bieten.

 

Dieter Bruhn

 

 

 

Georg Carl von Fechenbach, 1796, VS

Georg Carl von Fechenbach, 1796, VS

 

Georg Carl von Fechenbach, 1796, RS

Georg Carl von Fechenbach, 1796, RS
Stehende Minerva

     

Thassilo, erster Graf von Zollern, o. J.

Thassilo, erster Graf von Zollern, o. J.
(nach 1820)

 

Charis-Medaille, RS von J. V. Döll, o. J.

Charis-Medaille, RS von J. V. Döll, o. J.
(zwischen 1824 und 1825)

     

 

 

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